Sie haben Ihre Literaturklassiker gewählt!

 

Die Epochen

 

Sie haben Ihre Meisterwerke der deutschen Literatur aus 4 Epochen gewählt. Wir werten nun Ihre Ergebnisse für die Zeit von der Aufklärung bis hin zur Gegenwartsliteratur aus.


Bitte klicken Sie die einzelnen Epochen für weitere Informationen an.


 

 

 

Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur

Bahnbrechende Entwicklungen in Naturwissenschaft, Technik und Gesellschaft markierten den Beginn des 20. Jahrhunderts. Aber in den Rausch der neuen Möglichkeiten mischte sich Verunsicherung und Orientierungslosigkeit angesichts des Verlusts der tradierten Strukturen, in denen noch die Familie der Buddenbrooks verhaftet war, deren Niedergang Thomas Mann in seinem großen Gesellschaftsroman beschrieben hatte. Das Schockerlebnis des ersten Weltkriegs hatte nicht nur der alten Gesellschaftsform ein Ende bereitet, sondern auch Fortschrittsoptimismus und humanistische Zuversicht erschüttert. Dem tiefgehenden Krisenbewusstsein in einer immer komplexer erscheinenden Wirklichkeit trägt die Literatur Rechnung. Die Romanhelden der Moderne drohen sich selbst abhanden zu kommen. Im stehenden Sturmlauf kämpft sich der Angeklagte in Kafkas Prozeß an einer monströsen, undurchsichtigen Bürokratie ab. Obgleich ahnungslos, ist er dennoch schuldig und von Anbeginn zur Sinnlosigkeit des Daseins verdammt. Wer einmal in den Bewusstseinsstrudel des entlassenen Sträflings Franz Biberkopf aus Döblins Berlin Alexanderplatz abgetaucht ist, kann die bedrohliche Unkontrollierbarkeit der Großstadt in den Zwanzigerjahren nachempfinden. In der Lyrik löst Benn mit sprachgewaltigem Nihilismus das moderne Ich auf – in Krankheit, Tod und Verwesung. Auf der Bühne landet Brecht mit seiner Dreigroschenoper einen Skandalerfolg.

 

Das schillernde Geistesleben der Weimarer Republik nahm mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 ein jähes Ende. Wer nicht systemkonform schrieb, dem blieb nur Exil oder innere Emigration.

 

Unter dem Schlagwort „Stunde Null“ versuchte man nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nur den politisch-gesellschaftlichen, sondern auch den literarischen Neuanfang. In den Zirkeln der „Gruppe 47“ fanden sich jene Schriftsteller zusammen, die Maßstäbe setzen: Als Chronist der Nachkriegszeit liefert Koeppen neue Impulse in der literarischen Darstellung. Für das unaussprechliche Grauen des Naziregimes hat Celan in seinen Gedichten eine verknappte und eindringliche Ausdrucksform gefunden, die bis heute ihres Gleichen sucht. In barocker Erzählwut hingegen stürzt sich Grass mit der Blechtrommel auf die tragische deutsche Vergangenheit, vermittelt das Groteske an ihr in der skurrilen Perspektive des Oskar Matzerath.
Bis an den Beginn der Siebzigerjahre war die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und die damit verbundene politische Ausrichtung prägendes Merkmal der deutschen Nachkriegsliteratur. Seither hat sich das literarische Feld immer weiter aufgefächert. Eindeutige ideologische oder ästhetische Leitvorstellungen sind in der Themen- und Darstellungsvielfalt der Gegenwart nicht mehr auszumachen.